A Queen Is Born: Brasiliens aufstrebender Drag

27.08.2021

Seit Ende 2020 ist auf Netflix die brasilianische Reality-TV-Produktion "A Queen Is Born" ("Nasce Uma Rainha") verfügbar. Die Drag Queens Gloria Groove und Alexia Twister helfen in dieser MakeOver-Serie sechs Künstler*innen dabei, ihre Drag-Träume zu verwirklichen. Doch Brasiliens LGBTIQ*-Kultur erlangt bereits seit einigen Jahren durch eine starke Drag-Avantgarde weltweite Aufmerksamkeit. 

Seit November 2020 bereits auf Netflix verfügbar: "A Queen Is Born" ("Nasche Uma Rainha") mit Alexia Twister und Gloria Groove (v. li.). (c) Foto: Netflix.
Seit November 2020 bereits auf Netflix verfügbar: "A Queen Is Born" ("Nasche Uma Rainha") mit Alexia Twister und Gloria Groove (v. li.). (c) Foto: Netflix.

von Danny Hernández Ríos

RealityTV über Drag Queens gibt es bereits seit Jahren. Den Weg ins Fernsehen ebnete hier nicht zu letzt RuPaul mit der US-amerikanischen Show RuPaul's Drag Race, welche 2021 bereits in die 14. Staffel geht und weltweit Fans vereint. Auch Ableger (und Nachahmer) gibt es in verschiedenen Ländern, in Brasilien bisher jedoch nicht. Auch hat dies damit zu tun, dass Drag-Kunst im brasilianischen bzw. lateinamerikanischen Raum generell noch viel weniger akzeptiert scheint, als es in den USA, Kanada, Australien und Westeuropa der Fall ist. In Brasilien müssen queere Personen auch heute noch viel häufiger um ihr Leben fürchten, als anderswo. Statistiken belegen sogar, dass sich die Zahl der gewaltsamen Tode innerhalb der brasilianischen LGBTIQ*-Community von 2008 bis 2018 gar verdreifacht hat. Dennoch ist insbesondere Brasilien durch einige queere Persönlichkeiten in den letzten Jahren in den Drag-Olymp emporgestiegen. 

Nicht jedem schmeckt Drag und das muss es wohl auch nicht. Nichtsdestotrotz hat dies häufig mit Unwissenheit zu tun. Was ist also Drag? Woher der Begriff "Drag" eigentlich kommt ist heute nicht mehr ganz klar. Gemeint ist jedoch das künstlerische Darstellen von Personen des (in der Regel) anderen Geschlechts. Es geht also einerseits um eine Form der Travestie, des sich Verkleidens. Im Unterschied zur Travestie sehen sich viele Drag Queens aber eher als politische Botschafter, als Vertreter der LGBTIQ*-Gemeinschaft und arbeiten letztlich mit dem kulturellen Charakter der Komponente Gender, also allem was uns stereotypisch als männlich oder weiblich zu kennzeichnen vermag. 

Pabllo Vittar für ihr neues Album "Batidão Tropical". (c) Foto: Reprodução / Capa ErnnaCost
Pabllo Vittar für ihr neues Album "Batidão Tropical". (c) Foto: Reprodução / Capa ErnnaCost

Brasilien wurde 2015 von einer Drag Queen so richtig durchgeschüttelt. Mit einem Cover Song konnte Pabllo Vittar auf YouTube mehr als eine Million Klicks generieren. Ein erstes Album folgte und 2018 der weltweite Durchbruch mit "Sua Cara", einem Song, der wirklich überall gespielt wurde. Heute ist Pabllo Vittar die Drag Queen mit den meisten Instagram-Followern weltweit und Brasiliens Vorzeige-DragQueen. 

Sie ist aber nicht alleine. Insbesondere die Musikindustrie bietet viel Platz für Künstler*innen wie Aretuza Lovi, Gloria Groove, Lia Clark, Kika Boom und vielen anderen. Die Unterstützung von Brasiliens jüngsten Generationen ist groß und die Akzeptanz wächst stetig - politischen Parolen zum Trotz. Und das ist nicht zu letzt ihnen allen zu verdanken, die die LGBTIQ*-Kultur in die Öffentlichkeit tragen, aufklären, sensibilisieren.

Aufklärung von Freunden und Verwandten gehört auch zu Gloria Grooves und Alexia Twisters Arbeit in der Netflix-Serie. Denn Unterstützung aus der eigenen Familie und dem eigenen Umfeld ist extrem wichtig. Und eben dies macht die Serie so angenehm tiefgründig. Es geht nicht nur um bloße Show oder Kunst, sondern eben auch um Selbstfindung, Selbstvertrauen und letztlich Akzeptanz und Respekt.