Oscar Niemeyer, der brasilianische Kurvenstar, in Schleswig-Holstein?

15.04.2021

"Das Leben besteht aus Traum, Phantasie, Kurven und leerem Raum."

Oscar Niemeyer (1907-2012)

Verlagsgebäude Mondadori in Segrate bei Mailand, Italien. (c) Foto: Carlo dell'Orto.
Verlagsgebäude Mondadori in Segrate bei Mailand, Italien. (c) Foto: Carlo dell'Orto.

von Christine Scheid

Museu de Arte Contemporânea Niterói. (c) Foto: Marcusrg, Nova Friburgo
Museu de Arte Contemporânea Niterói. (c) Foto: Marcusrg, Nova Friburgo

Oscar Niemeyer war brasilianischer Architekt und stand für moderne brasilianische Architektur. Beeinflusst von Le Corbusier, bediente er sich einer futuristischen Formensprache. Unter Einsatz von Stahlbeton konnte er seine kühnen Entwürfe verwirklichen, die einerseits voller Dynamik sind und andererseits eine große Leichtigkeit und Eleganz ausstrahlen. Er vermied die gerade, starre Linie und setzte stattdessen kurvige Elemente ein, wie sie auch in der Natur vorkommen. 

Seine Bauten stehen vor allem in Brasilien und da in erster Linie in Brasilia, sind aber auch international zu finden. 

Kathedrale von Brasília (c) Foto: ugkoeln
Kathedrale von Brasília (c) Foto: ugkoeln

Was hat nun diese außergewöhnliche Architektur mit Schleswig-Holstein zu tun? Findet sich im nördlichsten Bundesland ein derartiges Gebäude?

Um es gleich vorwegzunehmen: Solche Bilder können bis heute im Norden Deutschlands nicht aufgenommen werden. Und das liegt nicht nur am Wetter...

Im Jahr 2014 aber wäre es beinahe so weit gekommen:

Der deutsche Architekt mit Kieler Wurzeln, Moritz Kock, flog 2009 nach Brasilien, um sich mit dem Büro von Oscar Niemeyer zu besprechen. Zwei Anliegen führten den Deutschen nach Brasilien: Er wollte über ein Potsdamer Schwimmbad und über eine Kapelle sprechen, die für sein süddeutsches Anwesen geplant werden sollte. Beides wären gemeinsam entwickelte Projekte gewesen - und beide wurden bis jetzt nicht realisiert.

Niemeyerkugel in Leipzig, Deutschland.
Niemeyerkugel in Leipzig, Deutschland.

Am 2.6.2009 stürzte das Flugzeug ab, das Moritz Kock wieder zurück nach Deutschland bringen sollte. Von dort aus wollte er dem Brasilianer Bilder des künftigen Standorts der Kapelle schicken. Dieser litt selbst unter Flugangst und konnte so nicht nur aufgrund seines hohen Alters den Bauplatz nicht in Augenschein nehmen.

Zunächst sollte der Bau auf Gut Seekamp nahe dem Haus von Hans Kock, bekannter Kieler Bildhauer und verstorbener Vater des Architekten, entstehen. Nach dem plötzlichen Tod von Moritz Kock war es der Witwe ein Anliegen, zum Gedenken an den gebürtigen Schilkseer die Kapelle in dem Vorort von Kiel zu errichten. 

Das von der Stadt Kiel unterstützte Vorhaben scheiterte am Protest der Bürger. Sie störten sich an der Lage des Baus in der Sichtachse zur Förde und stellten in Frage, ob Niemeyer diesen Standort überhaupt gewollt hätte. Auch auf andere Plätze, etwa in Strande oder in der Kieler Wik, konnte man sich nicht einigen.

Die vorerst letzte Meldung stammt aus dem Jahr 2018: Noch immer wird ein Platz für die Kapelle gesucht. Vielleicht bei Lissabon, oder doch in Südamerika? Wir dürfen gespannt sein...