Salvador da Bahia - von Axé bis Zucker

26.03.2021

Salvador da Bahia, die drittgrößte Stadt Brasiliens, hat es in sich. Als eine der ältesten Städte des Landes ist sie heute kultureller Schmelztiegel und beherbergt so manchen kulturellen und historischen Schatz. Eine Stadtführung durch die Perle des Nordostens.

Blick aus einer Gasse auf den Pelourinho. Die für Salvador so typischen bunten Fassaden prägen das Stadtbild ebenso wie die angeblich mehr als 350 Kirchen. (c) Foto: Danny Hernández Ríos
Blick aus einer Gasse auf den Pelourinho. Die für Salvador so typischen bunten Fassaden prägen das Stadtbild ebenso wie die angeblich mehr als 350 Kirchen. (c) Foto: Danny Hernández Ríos

von Danny Hernández Ríos

1501 landeten die ersten Seefahrer an der Küste der Allerheiligenbucht, der Bahia de Todos os Santos und begannen in den folgenden Jahren mit den einheimischen Indios Handel zu treiben. In der Region vermischten sich relativ schnell verschiedene soziale Gruppen: Indios, Jesuiten, schiffbrüchige Franzosen und angolanische Sklaven legten relativ früh den Grundstein für eine heute bunte kulturelle Mischung. Nicht zuletzt der Handel mit schwarzafrikanischen Sklaven auf Salvadors großem Pranger und Sklavenmarkt, dem Pelourinho, trug zu einer starken Verbreitung afrikanischer Spiritualität bei, die heute die Luft in den Gassen des alten Stadtzentrums auf magische Weise schwängert. Und auf dem Pelourinho starten wir unsere Tour durch eine der magischsten Städte Brasiliens.

Wir starten am Largo do Pelourinho, am ursprünglichen Pranger und Platz des Sklavenmarktes, welcher heute einem ganzen Stadtteil seinen Namen leiht. Bunte Häuserfassaden säumen die Seiten des mit Kopfstein gepflasterten Platzes. Vor uns beherrscht die hellblaue Fassade des Gebäudes der Fundação Casa de Jorge Amado, das Haus des berühmten brasilianischen Schriftstellers, den Platz. Die Fundação ist ein Muss für alle Salvador-Interessierten, ist Jorge Amado doch der Schriftsteller der ganzen Region, der sich in seinen Werken der Stadt und seinen kulturellen Eigenheiten widmet. Wir gehen rechts am Amado-Muesum vorbei und lassen uns durch die Gassen tragen. Zu allen Seiten säumen Handwerker- und Kunstgeschäfte die Gasse. Keilrahmenbilder von Frauen in Candomblé-Gewändern und allerhand Schmuck, Räucherstäbchen und viel Schnickschnack wird hier feilgeboten.

Catedral Basílica Primaciale do Transfiguração do Senhor. (c) Foto: Fernando Dallacqua.
Catedral Basílica Primaciale do Transfiguração do Senhor. (c) Foto: Fernando Dallacqua.

Wir kommen zur Kathedrale von Salvador, die ab 1657 von den Jesuiten erbaut wurde, der Catedral Basílica Primaciale do Transfiguração do Senhor. Mehrmals restauriert und von Papst Johannes Paul II. zur Basilica Minor geweiht gehört sie heute zum UNESCO-Weltkulturerbe der Stadt.  Vorbei an der Kathedrale geht es weiter durch das koloniale Viertel Salvadors. Kleinere Museen und Kirchen gibt es hier fast an jeder Ecke. Ebenso wie kleine urige Restaurants, die verschiedenste kulinarische Köstlichkeiten anbieten. Zu den für Salvador typischen Delikatessen gehören unter anderem Vatapá (eine Art Krabben-Fisch-Kokos-Pürree) und Acarajé (Bohnenmusbällchen mit Krabben). Am häufigsten angeboten und wohl am typischsten für die Stadt ist die Moqueca Baiana, eine Art Fischeintopf. Die kulinarischen Köstlichkeiten Salvadors sind, ebenso wie die ganze Stadt, stark von afrikanischen und indigenen Kulturen beeinflusst worden.

Elevador Lacerda (c) Foto: D. Hernández Ríos
Elevador Lacerda (c) Foto: D. Hernández Ríos

Nach einem Imbiss geht es weiter zu einem der Wahrzeichen Salvadors, dem Elevador Lacerda. Salvador liegt an einem Hang, was letztlich dazu führte, dass die Stadt auf verschiedenen Ebenen gebaut wurde und sich heute in eine Cidade alta (Oberstadt) und eine Cidade baixa (Unterstadt) gliedert. Der Aufzug wurde 1869 vom Unternehmer Antônio Lacerda entworfen und erbaut, um beide Stadtteile besser mit einander zu verbinden. Denn immerhin beträgt der Unterschied hier ganze 72 Meter! Wer also in Salvador ist, sollte auf jeden Fall eine Fahrt für weniger als einen Real machen. 

Vom Elevador aus muss auf jeden Fall noch ein Stop bei der Igreja da Barroquinha einlegen. Die Kirche und die Gegend um sie herum ist. heute als besonderer kultureller Punkt in der Stadt bekannt. Im Gegensatz zu den katholischen und evangelischen Kirchen ist die Igreja da Nossa Senhora da Barroquinha eine Candomblé-Kirche. Candomblé ist eine Glaubensrichtung, die ihre Wurzeln eigentlich in Westafrika hat. Mit den schwarzafrikanischen Sklaven kam auch der Glauben um ihre Götter, die Orixá, nach Brasilien. In vielen Zügen gleichen sich der brasilianische Candomblé und die karibische Santería. 

Schwarzer Jaguar im Zoo von Salvador. (c) Foto: D. Hernández Ríos
Schwarzer Jaguar im Zoo von Salvador. (c) Foto: D. Hernández Ríos

Abseits von der kolonialen Altstadt empfiehlt sich auch der Zoo von Salvador, der einige einheimische Tierarten beherbergt. Mit dem Eintrittspreis wird der Zoo aktiv unterstützt.

Für mehr Informationen und Tipps zur Perle der Bahia - hier Salvador von A bis Z:

Axé - eigentlich ist Axé eine rituelle Begrüßung im Candomblé. Heute steht Axé generell für positive Energie und wird stark mit Bahia und Salvador verknüpft. Durch Jugend- und Popkultur wird der Begriff auch in Musik, Kunst, Literatur und insbesondere sozialen Medien zunehmend genutzt. Des weiteren ist Axé seit den 80er Jahren auch eine Musikrichtung, die in Salvador ihren Lauf genommen hat. 

Bahia - Der Bundesstaat Bahia (Baía) zählt zu den größten und wichtigsten Regionen in Brasiliens Nordosten. Größte und einzige Metropole ist Salvador mit knapp 2,7 Millionen Einwohnern. Bahia ist flächenmäßig in etwa so groß wie Frankreich.

Capoeira - der Kampf-Tanz-Sport Capoeira findet seine Ursprünge in den Kulturen der schwarzafrikanischen Sklaven. Heute unterscheidet man den älteren Capoeira Angola und den moderneren Capoeira Regional. Wer Capoeira lernen möchte, sollte bei seinem Besuch in Salvador auf jeden Fall einen Kurs besuchen.

Dos Frades - Die in der Bucht von Bahia gelegene kleine Ilha dos Frades lohnt sich für einen Tagesausflug, um dem Trubel der Stadt mal hin und wieder zu entkommen. Strand und Natur vereinen sich hier zu einem wunderschönen Mix.

Elevador Lacerda - Der Fahrstuhl Lacerda verbindet die Ober- und die Unterstadt Salvadors. In der Regel kostet eine Fahrt weniger als einen halben Real und ist somit sehr erschwinglich. Insbesondere für alle, die von der Unter- in die Oberstadt wollen sehr zu empfehlen. Und die Aussicht ist auch nicht zu verkennen.

Fonte Nova - Die Arena Fonte Nova wurde 2013 neu eröffnet und steht auf dem Grundstück des ehemaligen Estádio Fonte Nova. Die von deutschen Architekten entworfene und gebaute Arena wurde extra für die Fußball-WM 2014 gebaut und auch das deutsche Nationalteam hat hier gespielt.

Guarajuba - Guarajuba ist ein kleines Fischerdorf im Süden Salvadors. Ein Tagesausflug lohnt sich auch hier, sollte aber mit auf dem Weg liegenden Orten und/oder Inseln verbunden werden.

Hotel - Wie in vielen Städten steigen auch in Salvador die Hotelpreise. Wer günstiger und dennoch qualitativ gut davon kommen möchte, der nimmt sich ein Hotel am Stadtrand. Tatsächlich gibt es hier einige Gegenden, die ruhiger, sicherer und eben auch günstiger sind, als der mit Pousadas und Hostels zugestopfte Altstadtkern.

Itaparica - Die von Amerigo Vespucci entdeckte Insel in der Bucht von Bahia ist viel größer als die Insel dos Frades. Heute kann man dort Ruinen von Kalkbrennereien und Ausstellungen zum brasilianischen Unabhängigkeitskrieg besuchen, in welchem die Insel eine wichtige Rolle spielte.

Jorge Amado - Jorge Amado ist nicht nur der wichtigste Autor Salvadors, sondern gehört auch zu den wichtigsten Schriftstellern Lateinamerikas. Wer mehr über ihn erfahren möchte, sollte einen Stop in seinem ehemaligen Haus am Pelourinho machen, in dem heute die Fundação Casa do Jorge Amado sitzt.

Karneval - Laut Guiness-Buch der Weltrekorde ist der jährlich stattfindende Karneval in Salvador der größte Straßenkarneval der Welt. Bis zu 3 Millionen Menschen nehmen an den Umzügen und Veranstaltungen an mehreren Schauplätzen der Stadt teil. Leider ist auch das Risiko bestohlen zu werden dementsprechend groß. 

Leuchtturm - Der Farol da Barra, eigentlich Forte de Santo Antônio da Barra, wacht über die Bucht vor der Stadt. Der 22 Meter hohe Turm steht auf einer Halbinsel zusammen mit dem ihm umgebenden Fort. Er beherbergt ein Museum, kann also besichtigt werden und ein Abstecher lohnt sich bei gutem Wetter insbesondere zum Sonnenuntergang hin. 

Bunte Bänder werden zu den Bonfim-Feierlichkeiten als Andenken verkauft und auch an Gerüste und Geländer gebunden. Auf ihnen ist "Lembrança do Senhor do Bonfim da Bahia" zu lesen. (c) Foto: Matti Blume
Bunte Bänder werden zu den Bonfim-Feierlichkeiten als Andenken verkauft und auch an Gerüste und Geländer gebunden. Auf ihnen ist "Lembrança do Senhor do Bonfim da Bahia" zu lesen. (c) Foto: Matti Blume

Mercado Modelo - Am Hafen befindet sich die große, gelbgestrichene Markthalle des Mercado Modelo. Hier kann man in Ruhe nach Souvenirs schauen, shoppen gehen und nebenbei die Aussicht auf das Meer genießen. 

Nossa Senhora do Bonfim - Neben einigen anderen gehört die Basilika Nossa Senhora do Bonfim zu den bedeutendsten Kirchen der Stadt. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbe und brasilianische Nationalerbe zusammen mit den sie umgebenden Festen zur Nossa Senhora do Bonfim die ab dem zweiten Donnerstag nach dem Dreikönigstag im Januar beginnen. Das ursprünglich katholisch begründete Fest ist heute stark mit Elementen des Candomblé vermischt. Prozessionen ziehen durch die Stadt, waschen die Gläubigen und die Stufen der Basilika.

Oberstadt - Die auf die Hügel gebaute Oberstadt bildet einen Teil Salvadors und umfasst beispielsweise den Pelourinho und das stadtgeschichtliche Museum.

Pelourinho - Der Pelourinho ist der ehemalige Sklavenmarkt und Pranger der Stadt und gehört heute zu den Hauptattraktionen und meist besuchten Plätzen. Hier wurden nicht nur Sklaven verkauft, sondern insbesondere auch bestraft und ausgepeitscht. Seit 1985 ist auch er UNESCO-Weltkulturerbe.

Quilombo - Geflohene Sklaven ließen sich zumeist in eigenen Siedlungen, den Quilombos, nieder. In der Nähe von Salvador gibt es noch heute das Quilombo Kaongo zu besichtigen. Ein Tagesausflug lohnt sich und kann mit anderen Orten wie Cachoeira-Ba kombiniert werden. Auch Zuckerrohr-, Tabak- und Maniokfarmen kann man auf dem Weg begutachten.

Rio Branco-Palast - Der Palacio Rio Branco im historischen Zentrum Salvadors gehört heute zu den markantesten Gebäuden der Stadt. Der ehemalige Regierungssitz geht auf 1549 zurück und gehört somit heute zu den ältesten noch erhaltenen, wenn auch restaurierten Gebäuden Brasiliens.

Strand - Durch mehrere Windungen und Kurven kann die Großstadt Salvador mit rund sage und schreibe 80 km Strand aufwarten! Die schönsten liegen natürlich nicht direkt am Stadtzentrum, zu nah ist hier der Hafen. Zu den schönsten zählen der Praia do Flamengo und der Praia da Itapuã, während der meistbesuchte wohl der Praia do Porto da Barra ist. Viele der Strandabschnitte zur Atlantikseite hin sind aufgrund der starken Strömung zum Baden ungeeignet.

Terminal Maritimo - Von Terminal Maritimo aus kann man jede Menge Bootstouren unternehmen. Insbesondere gibt es Fahrten zum Leuchtturm, zur Ilha Bela, zur Ilha dos Frades, zur Ilha Itaparica sowie einigen weiteren kleineren Inseln und Orten in der Bucht.

Unterstadt - Die Unterstadt umfasst die Bezirke, welche direkt am Wasser liegen. Neben dem Hafen befinden sich hier vor allem die größten Märkte. Eine Verbindung zwischen Ober- und Unterstadt besteht durch den Elevador Lacerda, es gibt jedoch auch einige Fußwege und wenige sehr steile Straßen.

Vatapá mit Garnelen (c) Foto: elingunnur.
Vatapá mit Garnelen (c) Foto: elingunnur.

Vatapá - Charakteristisch für Salvadors Küche ist insbesondere Vatapá, ein Püree aus Fisch, Nüssen, Krabben, Brot, Kokosmilch und Gewürzen. Häufig wird es als Beilage zu Moquecas oder Acarajé gereicht. Unbedingt probieren! 

Weltmeisterschaft - Die Fußballweltmeisterschaft 2014 stellte Brasilien vor viele sozio-ökonomische Probleme. In Salvador musste insbesondere die Kriminalität bekämpft und der öffentliche Transport sowie die Sauberkeit verbessert werden. Die schon vor Jahrzehnten geplanten Metrolinien der Stadt sind noch immer nicht alle in Betrieb. Als Erinnerungen an die WM bleiben die Arena Fonte Nova und ein Salvador-Schriftzug-Denkmal am Palacio Rio Branco.

Xango - Als Stadt des Candomblé verbindet Salvador europäische mit afrikanischen Glaubensrichtungen. Dieser Synkretismus führt dazu, dass verschiedenste Götter der Yoruba mit verschiedenen Festen, Prozessionen, Kirchen und Heiligen verbunden werden. Xangô ist einer der Orixá, der himmlische Vater und Donnergott, der häufig mit den Farben rot und weiß dargestellt wird. Im christlichen Glauben wird er mitunter auch als Äquivalent zur Heiligen Barbara gesehen. Die Orixá, insbesondere Xangô, spielen beispielsweise auch eine Rolle im Samba.

Yoruba - Das westafrikanische Volk der Yoruba, welches früher im südwestlichen Nigeria lebte, bildete eine der Ethnien, die in Afrika versklavt und nach Südamerika verschifft wurden. Ihre Verschleppung bildet den Ursprung für die heutigen amerindischen Glaubensrichtungen wie Candomblé, Santería und auch Vodoun (Voodoo). Wer mehr hierüber erfahren möchte, solle sich in Salvador da Bahia in die Área Barroquinha um die gleichnamige Kirche begeben oder die Feste des Senhor do Bonfim oder der Santa Barbara besuchen. 

Zucker - Salvadors Geschichte begründet sich im Grunde auf Landwirtschaft. Der Anbau und die Verarbeitung von Zuckerrohr machten die Stadt zu einem guten Handelsposten für Portugiesen und Holländer. Auf den Zuckerhandel begründet sich auch der Sklavenhandel mit seinen weitreichenden Folgen. Heute ist Salvador da Bahia unabhängiger von der Landwirtschaft geworden: Tourismus, Automobilindustrie sowie die Verarbeitung von Zucker, Baumwolle, Kakao und auch Erdöl haben die Landwirtschaft zu großen Teilen abgelöst.